ABC stoppt erstmals ganze Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen gegen Hauptfigur
Jonas HoffmannABC stoppt erstmals ganze Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen gegen Hauptfigur
Zum ersten Mal in der Geschichte des Formats hat ABC eine gesamte Staffel von The Bachelorette abgesagt. Der Schritt folgt der Veröffentlichung eines Videos aus dem Jahr 2023, das die Protagonistin Taylor Frankie Paul in einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Partner zeigt. Die jüngste Kontroverse reiht sich ein in eine lange Liste von Skandalen, die die langjährige Reality-Serie begleiten.
Die Sendung stand wiederholt in der Kritik – wegen mangelnder Vielfalt, kultureller Unempfindlichkeit und der Art und Weise, wie mit umstrittenem Verhalten ihrer Stars umgegangen wird.
Die Absage stellt einen seltenen Schritt für das Franchise dar, das Probleme bisher meist im Nachhinein behoben hat, statt eine bereits abgedrehte Staffel komplett zu streichen. Zu den früheren Kontroversen zählt ein Vorfall aus dem Jahr 2021, als Moderator Chris Harrison nach der Verteidigung der Kandidatin Rachael Kirkconnell zurücktrat. Kirkconnell war zuvor für ihre Teilnahme an einer Party im Stil einer Plantagenzeit-Veranstaltung und das Tragen eines Native-American-Kostüms scharf kritisiert worden.
2019 sorgte eine in Singapur gedrehte Folge für Empörung, als Teilnehmer:innen lokale Küche verspotteten – ein Zeichen mangelnden Kulturverständnisses. Vier Jahre zuvor hatte der ehemalige Bachelor Juan Pablo Galavis mit abwertenden Äußerungen über schwule und bisexuelle Menschen für Aufsehen gesorgt.
Auch beim Thema Vielfalt hatte das Franchise lange Nachholbedarf. Erst 2017 wurde mit Rachel Lindsay die erste schwarze Protagonistin besetzt, gefolgt von Matt James als erstem schwarzen Bachelor 2020 – beides Meilensteine, die erst nach jahrelangem öffentlichen Druck erreicht wurden. Zuletzt entfachte die Besetzung von Jenn Tran als erster asiatisch-amerikanischer Hauptfigur 2024 erneut Debatten über Repräsentation. Zwar wurde ihre Auswahl gefeiert, doch sie warf auch die Frage auf, ob die Show Teilnehmer:innen mit Migrationshintergrund ausreichend unterstützt.
Kandidat:innen und Protagonist:innen aus Minderheiten sehen sich häufig rassistischen Anfeindungen seitens einiger Zuschauer:innen ausgesetzt, darunter übermäßige Kritik und beleidigende Kommentare. Trotz langsamer Fortschritte bleibt das Franchise wegen seiner Ausschlussgeschichte und wiederholten Fehltritte unter Beobachtung.
Die Absage der aktuellen Staffel zeigt, wie ABC auf schwere Vorwürfe gegen eine Hauptfigur reagiert. Gleichzeitig unterstreicht sie die grundsätzlichen Herausforderungen des Formats in Sachen Vielfalt, kulturelle Sensibilität und Verantwortung. Die Entscheidung könnte künftig als Präzedenzfall dafür gelten, wie die Show mit ähnlichen Kontroversen umgeht.






