AfD zerrissen: Machtkampf zwischen prorussischem und westlichem Flügel eskaliert
Jonas HoffmannAfD zerrissen: Machtkampf zwischen prorussischem und westlichem Flügel eskaliert
Ein erbitterter innerparteilicher Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Der Konflikt steht zwischen Befürwortern einer westlichen Ausrichtung und einer Fraktion, die engere Bindungen zu Russland sowie den Abzug US-amerikanischer Truppen aus Deutschland fordert. Aktuelle Auseinandersetzungen haben tiefe Gräben offenbart und werfen Fragen über die künftige Ausrichtung der Partei auf.
Die Spaltung trat besonders deutlich während der Debatten zum Iran-Konflikt 2026 zutage. Co-Parteivorsitzender Tino Chrupalla forderte den Abzug der US-Truppen aus Deutschland und griff den früheren Präsidenten Trump scharf an – was ihm Beifall von Parteimitgliedern einbrachte. Doch Abgeordneter Maximilian Krah, AfD-Bundestagsmitglied, widersprach dieser Haltung öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck sah sich gar mit der Blockade einer proamerikanischen Pressemitteilung durch Chrupalla und die Co-Vorsitzende Alice Weidel konfrontiert.
Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD, gerät zunehmend unter Druck durch den prorussischen Flügel der Partei, angeführt von Björn Höcke. Lucassen, der Russland als größte Bedrohung für die NATO einstuft, wirft Höckes Lager vor, ihn aus der Partei drängen zu wollen. Seine klare Haltung zu den westlichen Bündnissen macht ihn innerhalb der eigenen Reihen zur Zielscheibe.
Auch die Parteiführung tut sich schwer, sich von Martin Sellners umstrittenem "Remigrations"-Plan zu distanzieren, der sich auch auf deutsche Staatsbürger beziehen könnte. Kritiker monieren, der Vorschlag habe die AfD weiter isoliert. Krah warnte, die extremen Positionen der Partei – sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik – hätten den von anderen Parteien errichteten politischen Quarantänewall noch verstärkt.
Seit ihrer Gründung 2013 ist die AfD in der NATO- und USA-Frage gespalten, wobei viele Mitglieder prorussisch eingestellt sind. Doch die jüngsten Spannungen haben die Fronten verhärtet – einige warnen bereits vor einem möglichen Zerfall der Partei.
Die AfD steht nun vor einer wachsenden Kluft zwischen ihrem westlich orientierten und dem prorussischen Flügel. Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen hat den Konflikt weiter angeheizt, während sich Krah, Lucassen und andere dagegenstemmen. Die Unfähigkeit, diese Konflikte zu lösen, droht die politische Position der Partei weiter zu schwächen.






