Angélica Liddell inszeniert Mishimas Selbstmord als radikales Bühnenerlebnis
Hannah SchneiderAngélica Liddell inszeniert Mishimas Selbstmord als radikales Bühnenerlebnis
Angélica Liddell präsentiert ihre neueste Performance Seppuku: Mishimas Beerdigung oder die Lust am Sterben bei den Wiener Festwochen
In ihrem jüngsten Werk setzt sich Liddell mit dem Leben und den Motiven von Menschen auseinander, die sich das Leben nahmen – inspiriert von ihren eigenen Erlebnissen, als sie in Madrid Zeugin eines Suizids wurde.
Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die Geschichte des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1966 in einem Kurzfilm seinen rituellen Selbstmord inszenierte, bevor er sich 1970 tatsächlich durch Seppuku das Leben nahm. Liddell deutet seinen Tod neu, indem sie Elemente des Nō-Theaters mit ihrem markanten, drastischen Stil verbindet.
Für die Aufführung sammelte Liddells Compagnie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke Verstorbener. Auf der Bühne trägt sie diese Gewänder und verkörpert so die Identitäten und letzten Momente fremder Menschen. Ein besonders eindringlicher Moment zeigt, wie sie und eine weitere Performerin ihr Blut vor den Augen des Publikums vermischen.
Liddell verknüpft Mishimas Schicksal mit dem anderer, die sich für den Freitod entschieden. Sie entwirft eine intensive, mitunter ekstatische Rechtfertigung des Suizids, unterbrochen von abrupten Stimmungsumschwüngen und düsterem Humor.
Die Performance verbindet persönliche Reflexion mit radikalen theatralischen Entscheidungen. Durch die Einbindung realer Kleidungsstücke und Rituale schafft Liddell eine schonungslose, ungeschönte Auseinandersetzung mit dem Tod. Die Premiere ist ein weiterer provokanter Beitrag zu ihrem künstlerischen Schaffen.






