ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Marie RichterARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe am Montagabend um 20:15 Uhr – doppelt so lang wie gewohnt. Ziel ist es, die Sendung für den Alltag der Zuschauer relevanter zu gestalten.
In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die Tagesschau einen stetigen Rückgang der Einschaltquoten. Die durchschnittliche Zuschauerzahl sank von 7,5 Millionen auf etwa 6,2 Millionen, ein jährlicher Verlust von 3 bis 5 Prozent. Besonders stark war der Rückgang bei den 30- bis 59-Jährigen mit minus 12 Prozent, da viele stattdessen zu Streaming-Diensten und Online-Nachrichten wechselten.
Jörg Schönenborn, Programmdirektor für Information, Fiktion und Unterhaltung beim WDR, verteidigte die Änderung. Er argumentiert, dass eine längere Sendezeit es erleichtere, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Schönenborn ist überzeugt, dass das erweiterte Format die Sendung für das Publikum attraktiver macht.
Doch nicht alle teilen diese Meinung. Anna Mayr von der Zeit forderte stattdessen mehr Qualität statt bloßer Länge. Andere Kritiker warnten, 15 Minuten sollten ausreichen, und eine längere Sendung könnte das Abendprogramm der ARD durcheinanderbringen. Manche zweifeln zudem daran, ob ausgedehnte Nachrichten tatsächlich mehr Zuschauer anziehen.
Die ARD hofft, dass die verlängerte Tagesschau das Vertrauen in die Medien stärkt und verlorene Zuschauer zurückgewinnen kann. Der Testlauf beginnt mit dem Montagabend-Slot, doch ob die Änderung langfristig wirkt, bleibt abzuwarten. Der Sender steht vor der Herausforderung, Tradition und veränderte Sehgewohnheiten in Einklang zu bringen.






