15 March 2026, 04:04

Arzneimittelknappheit 2025: Warum Millionen Patienten in Deutschland leiden

Ein Plakat mit Text über Arzneimittelpreisunterschiede im Jahr 2022, mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Arzneimittelknappheit 2025: Warum Millionen Patienten in Deutschland leiden

Arzneimittelknappheit in Deutschland erreicht 2025 kritischen Punkt

In Deutschland haben sich die Arzneimittelengpässe im Jahr 2025 dramatisch zugespitzt: Über 1.500 Meldungen über Lieferengpässe gingen ein. Besonders betroffen sind Antibiotika, Psychopharmaka sowie lebenswichtige Medikamente wie Salbutamol. Trotz des weltweiten Produktionsanstiegs der letzten Jahre bleiben die Versorgungslücken bestehen – Millionen Patienten sind in ihrer Behandlung gefährdet.

Zwischen 2021 und 2025 stieg die globale Antibiotika-Produktion jährlich um 8 bis 12 Prozent, angetrieben durch die Nachfrage in Asien und die Nachwehen der Pandemie. Bei Psychopharmaka – darunter Antidepressiva und Benzodiazepine – verzeichnete man ein jährliches Wachstum von 5 bis 10 Prozent, was den steigenden Bedarf in der psychischen Gesundheitsversorgung widerspiegelt. Doch selbst diese Ausweitung der Produktion konnte die Engpässe nicht verhindern.

China dominiert den Markt und liefert 40 bis 50 Prozent der antibiotischen Wirkstoffe sowie 30 Prozent der psychotropen Substanzen. Indien folgt mit 25 bis 30 Prozent der Antibiotika und 20 Prozent der Psychopharmaka, während die USA, Irland und Deutschland deutlich kleinere Anteile beisteuern. Deutschlands starke Abhängigkeit von diesen Importen macht die Versorgungskette anfällig – besonders dann, wenn es in Asien zu Produktionsproblemen kommt.

Allein 2025 meldeten deutsche Apotheken 1.514 Lieferengpässe bei 1.041 verschiedenen Arzneimitteln. Bei Antibiotika gab es 85 Meldungen, die 2,2 Millionen Patienten betrafen, die auf diese Medikamente angewiesen sind. Noch gravierender ist die Lage bei Psychopharmaka: Bei Antipsychotika wurden 173 Engpässe mit einer durchschnittlichen Dauer von 230 Tagen registriert, wodurch eine Million Patienten in ihrer Therapie beeinträchtigt wurden. Antidepressiva verzeichneten 130 Meldungen mit durchschnittlich 107 Tagen Knappheit – auch hier war eine weitere Million Betroffene die Folge.

Auch andere lebenswichtige Medikamente wie Salbutamol für Asthmatiker oder Antiepileptika waren stark betroffen. Zwar organisierte man Notimporte von Salbutamol, doch die fremdsprachigen Verpackungsaufdrucke sorgten bei Patienten für Verunsicherung. Lipidsenker, die rund zwei Millionen Menschen einnehmen, waren von 89 Lieferengpässen betroffen. Besonders problematisch ist der Wechsel des Wirkstoffs bei Psychopharmaka – oft gibt es für Patienten kaum Alternativen.

Die anhaltenden Engpässe zeigen, wie verletzlich Deutschland gegenüber Störungen in den globalen Pharmalieferketten ist. Mit Antibiotika, Psychopharmaka und essenziellen Atemwegsmedikamenten, die allesamt knapp sind, stehen Patienten und Gesundheitsversorger vor anhaltenden Herausforderungen. Notfallmaßnahmen wie die Einfuhr von Salbutamol bringen zwar vorübergende Entlastung, lösen aber nicht das grundlegende Problem der Abhängigkeit von der ausländischen Produktion.

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