Eklat bei der Berliner Zeitung: Warum ein Abschied die Redaktion spaltet
Marie RichterEklat bei der Berliner Zeitung: Warum ein Abschied die Redaktion spaltet
Ein öffentlicher Streit ist entbrannt, nachdem Anja Reich-Osang, die langjährige Leitende Redakteurin der Berliner Zeitung, das Blatt nach drei Jahrzehnten verließ. Die Auseinandersetzung eskalierte, als Verlagschef Holger Friedrich scharf auf Kritik von Franz Sommerfeld reagierte – einem ehemaligen Kollegen Reich-Osangs – in einem persönlich gefärbten Artikel.
Reich-Osangs Abschied nach 30 Jahren markierte den Beginn der Kontroverse. Franz Sommerfeld hatte daraufhin die politische Ausrichtung der Berliner Zeitung kritisiert, doch Friedrich machte in seiner Erwiderung nicht deutlich, dass die Äußerungen von Sommerfeld und nicht von der Zeitung selbst stammten.
Friedrichs Reaktion löste weitere Kritik aus. Er warf dem Medienportal kress vor, "Unsinn" zu verbreiten, und forderte es auf, über die eigene Berichterstattung nachzudenken. Auf Nachfrage zu seinem Vorgehen beharrte er darauf, seinen Text nicht zu ändern, und blieb bei seiner Kritik an kress.
Beobachter wiesen darauf hin, dass Friedrich zwar in internen Kreisen gern die Standards der Medienbranche kritisiere, selbst aber schlecht mit öffentlicher Kritik umzugehen scheine. Der Autor des kress-Artikels hob Friedrichs übersteigertes Ego und seine Abneigung hervor, sich mit an ihn gerichteter Kritik auseinanderzusetzen. Zudem deutete er an, dass Friedrichs Bekenntnis zu journalistischer Qualität dann bröckle, wenn es um das eigene Verhalten gehe.
Der Streit hat nicht nur die Spannungen zwischen Friedrich und ehemaligen Mitarbeitern offenbart, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen zur Transparenz bei der Berliner Zeitung auf. Reich-Osangs Abgang und die anschließende Debatte haben die redaktionelle Ausrichtung des Blattes erneut in den Fokus gerückt. Da Friedrich nicht bereit ist, seine Haltung zu überdenken, deutet alles darauf hin, dass die Diskussion so schnell nicht abebben wird.






