Machtmissbrauch bei Bild: NDR kämpft um Veröffentlichung zensierter ARD-Enthüllungen gegen Julian Reichelt
Anna SchmittMachtmissbrauch bei Bild: NDR kämpft um Veröffentlichung zensierter ARD-Enthüllungen gegen Julian Reichelt
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe des Machtmissbrauchs bei der Bild-Zeitung hat sich zugespitzt, nachdem ein umstrittener Bericht der ARD-Sendung Reschke Fernsehen aus dem Jahr 2023 für Aufsehen sorgte. Zentrale Passagen der Sendung waren nach einer einstweiligen Verfügung des ehemaligen Chefredakteurs Julian Reichelt zensiert worden. Nun strebt der Rundfunksender NDR an, das geschwärzte Material im Rahmen eines vollständigen Gerichtsverfahrens wiederherzustellen.
Der Fall, der mit den Enthüllungen des Spiegel im Jahr 2022 begann, zieht sich bereits fast fünf Jahre hin – ein Beispiel für die zähe Gangart des deutschen Justizsystems in presserechtlichen Auseinandersetzungen. Im Mittelpunkt des Streits stehen die Behauptungen von Reschke Fernsehen, wonach Reichelt sich bei Bild weitaus schwerwiegender vergangen haben soll als bisher bekannt. Die Sendung legte nahe, er habe mehrere Beziehungen zu Untergebenen gepflegt und möglicherweise Frauen zu sexuellen Kontakten gedrängt. Reichelt weist die Vorwürfe konsequent zurück und stellt sich als Opfer einer politisch motivierten Diffamierungskampagne dar.
Nach einer von Reichelt erwirkten einstweiligen Verfügung nahm die ARD die Sendung aus ihrer Mediathek und strich die kritischen Abschnitte. Der NDR klagt nun gegen diese Entscheidung. Im Rahmen des Verfahrens will der Sender Zeugen aufrufen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt.
Eine öffentliche Verhandlung könnte für den Bild-Mutterkonzern Axel Springer unangenehme Folgen haben. Mehrere Frauen, die sich zu Wort gemeldet hatten, sollen berufliche Nachteile erlitten haben – was Fragen zur Unternehmenskultur und möglichen Repressalien aufwirft. Ungeklärt bleibt weiterhin, wie viele Affären Reichelt tatsächlich hatte und ob er seine Position ausgenutzt hat.
Angesichts der bekannten Langsamkeit deutscher Gerichte dürfte sich das Verfahren weiter hinziehen. Selbst wenn der NDR Erfolg hat, könnte es Jahre dauern, bis alle Details der Vorwürfe ans Licht kommen. Das Ergebnis von NDRs Klage wird entscheiden, ob die zensierten Passagen des Berichts doch noch veröffentlicht werden. Sollten Zeugen in einer öffentlichen Verhandlung aussagen, könnten ihre Schilderungen erstmals eine öffentliche Überprüfung der Vorwürfe gegen Reichelt ermöglichen. Bis dahin steckt der Fall jedoch in prozessualen Verzögerungen fest – ein Ende ist nicht absehbar.






