Thüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Marie RichterThüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Aufklärung gegen digitale sexualisierte Gewalt
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat sich der Bekämpfung digitaler sexualisierter Gewalt gewidmet, indem Tausende Schülerinnen und Schüler sensibilisiert wurden. Die Expertin Yasmina Ramdani leitete Workshops für rund 5.000 Jugendliche und half ihnen, Gefahren wie Cybergrooming zu erkennen. Die Initiative, finanziert vom Landesjugendamt Thüringen, ist die erste ihrer Art in Deutschland.
Zwischen 2019 und 2022 besuchte Ramdani Schulen in ganz Thüringen und arbeitete mit Schülerinnen und Schülern der fünften bis achten Klasse. Ihre Seminare zielten darauf ab, digitale Erlebnisse in reale Gespräche zu übersetzen, um komplexe Themen leichter besprechbar zu machen. Ein zentrales Thema war Cybergrooming, bei dem Täter Kinder in Chats gezielt ansprechen, um sie später sexuell zu belästigen oder zu missbrauchen.
Laut Polizeidaten aus dem Jahr 2020 stieg die Zahl der gemeldeten Cybergrooming-Fälle bei Minderjährigen in Deutschland stark an. Aktuellere Zahlen liegen zwar nicht vor, doch der Trend unterstreicht die wachsende Besorgnis. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ergab zudem, dass fast die Hälfte der jungen Menschen bereits Formen digitaler sexualisierter Gewalt erlebt hat.
Ramdani betonte, dass Eltern ihr eigenes Verhalten reflektieren und klare Grenzen setzen müssten. Viele Übergriffe geschehen in Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität, nicht aus böser Absicht. Das Projekt machte auch deutlich, dass Technologiekonzerne stärker in die Pflicht genommen werden müssen, um digitale Schädigungen zu verhindern.
Öffentlich bekannte Fälle, wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, haben zudem die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen ins Rampenlicht gerückt. Solche Vorfälle unterstreichen die Dringlichkeit von Aufklärung und Prävention.
Das Thüringer Projekt erreichte Tausende Schülerinnen und Schüler und stattete sie mit Werkzeugen aus, um sich sicherer im Netz zu bewegen. Ramdanis Arbeit hat Maßstäbe gesetzt, doch Fachleute sind sich einig: Es braucht kontinuierliche Anstrengungen. Schulen, Eltern und Politiker müssen digitale sexualisierte Gewalt weiter bekämpfen, um junge Menschen zu schützen.






