Wenn der nackte Schauspieler zur psychologischen Herausforderung wird
Jonas HoffmannWenn der nackte Schauspieler zur psychologischen Herausforderung wird
Ein kürzlicher Theaterbesuch konfrontierte mich mit einer ungewöhnlichen Angst: die Angewohnheit des Hauptdarstellers, nackt aufzutreten. Die Inszenierung, die sich um Apokalypse, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft drehte, trieb mich dazu, radikale Lösungen in Betracht zu ziehen. Der Vorschlag meiner Freundin? Eine Desensibilisierungsliste – beginnend damit, jede Vorstellung des berüchtigten Schauspielers zu besuchen.
Was als Scherz begann, entwickelte sich schnell zu einem ausgefeilten Plan. Ganz oben auf der Liste: „Jede Aufführung des nackten Schauspielers besuchen.“ Die ultimative Herausforderung? „Eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch der Abendshow Heino trifft Rammstein buchen.“ Allein der Gedanke an den letzten Punkt ließ mich übel werden.
Das Stück selbst endete unter tosendem Applaus, wenn auch ein einzelner Zuschauer buhte. Danach entspannten wir uns mit „Frühling für Hitler“ – eine seltsame Wahl, aber sie half.
Später stellte ich mir das Gegenteil vor: ein Sensibilisierungsprogramm für Anhänger rassistischer Überlegenheit und Zwangsassimilation, finanziert durch Vorführungen von „JoJo Rabbit“ und „Der große Diktator“. Die Ironie entging mir nicht.
Die Desensibilisierungsliste bleibt unvollendet. Der Gedanke an diese Kreuzfahrt – und an den nackten Schauspieler – macht mir noch immer mulmig. Vorerst bleibe ich bei Stücken, in denen die Darsteller angezogen bleiben.






