05 May 2026, 12:03

Deutschlands größte Sucht-Reha für Jugendliche droht am 30. Juni zu schließen

Balkendiagramm, das die Rückfallraten von Drogensucht im Vergleich zu anderen chronischen Krankheiten zeigt, mit farbcodierten Balken, die die Schweregrade anzeigen.

Deutschlands größte Sucht-Reha für Jugendliche droht am 30. Juni zu schließen

Deutschlands größte Fachklinik für Suchtrehabilitation bei Kindern und Jugendlichen steht vor der Schließung

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Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn, die größte spezialisierte Reha-Einrichtung für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Deutschland, droht Ende Juni zu schließen. Wie die Klinik mitteilte, wird sie am 30. Juni ihre Türen für immer schließen müssen, falls bis zum 10. Mai keine gesicherte Finanzierung vereinbart wird. Die Betreiber erklären, dass das intensive Betreuungsmodell der Einrichtung unter den aktuellen Vergütungsbedingungen nicht mehr tragbar sei.

Die von der Leinerstift-Gruppe geführte Klinik betreut junge Menschen nach abgeschlossener Suchttherapie, um Rückfälle zu verhindern. Aktuell stehen 60 spezialisierte Reha-Plätze für Minderjährige zur Verfügung – Kapazitäten, die bei einer Schließung komplett wegfallen würden. Laut Leinerstift leiden in Deutschland rund 200.000 Jugendliche an substanzbezogenen Störungen, davon konsumieren 45.000 illegale Drogen. Die Nachfrage nach Behandlungsplätzen übersteigt das Angebot bereits jetzt bei Weitem.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV), die derzeit 320 Euro pro Patient und Tag übernimmt, bestreitet die Dringlichkeit der Lage. Sie verweist auf bundesweit 450 Reha-Plätze, darunter jedoch viele Einrichtungen, die vorrangig Erwachsene behandeln. Doch Friederike Neugebauer vom Aktionsbündnis Kinder- und Jugendreha warnt: Der Verlust der 60 spezialisierten Plätze in Ahlhorn wäre eine Katastrophe. Nur drei Kliniken in ganz Deutschland konzentrieren sich ausschließlich auf junge Menschen mit Suchterkrankungen.

Leinerstift hat ein neues Finanzierungsmodell vorgeschlagen, an dem gesetzliche Krankenkassen, das Land Niedersachsen und die Jugendhilfe beteiligt wären. Hans-Joachim Lenke, Sprecher der Diakonie Niedersachsen, fordert die DRV auf, die finanzielle Struktur der Klinik zu reformieren. Unterdessen meldet das Mädchenhaus Bremen einen besorgniserregenden Anstieg des Drogenkonsums bei jungen Frauen – eine zusätzliche Belastung für die ohnehin knappen Hilfsangebote.

Falls bis zum 10. Mai keine Einigung über die Finanzierung erzielt wird, schließt die Bonhoeffer-Klinik am 30. Juni endgültig. Damit würde eine der wenigen spezialisierten Reha-Einrichtungen für suchtkranke Jugendliche wegfallen. 60 dringend benötigte Therapieplätze gingen verloren – und gefährdete junge Menschen hätten noch weniger Möglichkeiten, einen Weg aus der Sucht zu finden.

Quelle