Fünf neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch warum fehlen Döner und Buchhandlungen?
Hannah SchneiderFünf neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch warum fehlen Döner und Buchhandlungen?
Deutschland hat fünf neue Traditionen in seine offizielle Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den Neuaufnahmen zählen die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten und das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herrenmode. Kultusminister Wolfram Weimer und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben die Auswahl am 27. März 2026 bekannt.
Die Entscheidung folgt einem mehrstufigen Prüfverfahren, an dem Fachgremien und die Kulturminister der Länder beteiligt waren. Gleichzeitig bleiben einige prägende Aspekte des deutschen Alltags – wie der Döner Kebab oder linksalternative Buchhandlungen – weiterhin unberücksichtigt, was Fragen nach den zugrundeliegenden Kriterien aufwirft.
Die neu anerkannten Traditionen betonen gemeindegetragene Praktiken, die kreativ, inklusiv und im Wandel begriffen sind. Die Schaustellerkultur, ein fester Bestandteil von Volksfesten, wurde ebenso aufgenommen wie das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herren. Weitere Neuzugänge sind traditionelle Fischfangmethoden in der Ostsee, das Straßenfußballspielen auf lokalen Bolzplätzen sowie die St.-Martins-Umzüge im Rheinland.
Das Auswahlverfahren begann mit Vorschlägen für das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Ein Expertengremium prüfte jeden Eintrag, bevor die Kultusministerkonferenz die endgültige Entscheidung traf. Die ausgewählten Traditionen wurden für ihren lebendigen, partizipativen Charakter gelobt.
Doch auch die Auslassungen der Liste sorgen für Diskussionen. Weimer geriet kürzlich in die Kritik, nachdem er ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds strich. Dieser Schritt löste Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern aus. Selbst die Bratwurst vom SPD-eigenen Sommerfest schaffte es nicht ins Kulturerbe – was die Debatte darüber anheizt, was erhaltenswert ist und was nicht.
Weimers Haltung zur Bewahrung von Kultur wirft Fragen auf, warum bestimmte Elemente – wie der Döner, ein landesweit beliebtes Gericht, oder unabhängige linksorientierte Buchhandlungen – keine Berücksichtigung fanden. Die Kriterien legen den Fokus auf aktiv gelebte Traditionen, die die Identität einer Gemeinschaft stärken, doch die Ausgrenzungen deuten auf eine engere Auslegung von Kulturerbe hin.
Mit den fünf Neuzugängen umfasst Deutschlands Liste des immateriellen Kulturerbes nun über 100 anerkannte Traditionen. Die aufgenommenen Bräuche erhalten künftig mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für ihren Erhalt. Doch die Diskussion darüber, was als Kulturerbe gilt – und was außen vor bleibt –, wird voraussichtlich weitergehen, während in den kommenden Jahren weitere Vorschläge geprüft werden.






