Hitzige Debatte um Rezeptboni und Apothekenzukunft in München eskaliert
Marie RichterHitzige Debatte um Rezeptboni und Apothekenzukunft in München eskaliert
Scharfer Schlagabtausch beim Kooperationsgipfel in München
Zwischen Redcare-CEO Olaf Heinrich und Dr. Ina Lucas, Präsidentin der Berliner Apothekerkammer, kam es auf dem Kooperationsgipfel in München zu einer hitzigen Auseinandersetzung. Streitpunkte waren ein geplanter Aufschlag von 9,50 Euro, Rezeptboni sowie die Rolle von Versandapotheken in der Patientenversorgung.
Die Debatte erstreckte sich zudem auf Lieferstandards für Medikamente und die finanzielle Not lokaler Apotheken – eine Einigung zeichnete sich jedoch nicht ab.
Heinrich eröffnete die Diskussion mit einer Verteidigung des Rezeptbonus-Systems von Redcare. Er argumentierte, europäisches Recht gehe nationalen Vorschriften vor, weshalb das Unternehmen ausschließlich unter EU-Regeln agiere. Bisher gebe es keine rechtlichen Schritte gegen das Modell von Redcare oder ähnliche Versandapotheken-Konzepte in Deutschland, so die vorliegenden Berichte.
Dr. Lucas entgegnete, die Therapiebegleitung sei eine Kernleistung der Präsenzapotheken. Versandkonkurrenz wie die Shop Apotheke sei für eine solche Betreuung unangemessen teuer. Auf Nachfrage zur Finanzierung betonte sie, eine angemessene Vergütung sei unverzichtbar, und fügte hinzu: "Wer qualitative Versorgung will, muss mit 9,50 Euro auf den Tisch legen – dann sehen wir weiter."
Heinrich lehnte den vorgeschlagenen Aufschlag kategorisch ab und bezeichnete ihn als "die falsche Lösung", um kämpfende Apotheken zu retten. Ein Drittel der Filialen sei bereits unwirtschaftlich, erklärte er, und die Debatte über das deutsche Apothekennetz sei längst überfällig. Stattdessen plädierte er für größere, digital ausgerichtete Betriebe, die bessere Unterstützung bieten könnten als kleine Vor-Ort-Apotheken.
Thema war auch die Arzneimittellieferung und die Einhaltung der Kühlkette. Heinrich hob hervor, Redcare setze sowohl auf aktive als auch passive Kühlmethoden und führe regelmäßig Testkäufe durch, um Marktstandards zu überwachen. Fernbetreuung, gestützt durch digitale Dienstleistungen, könne seiner Ansicht nach genauso wirksam sein wie die persönliche Beratung.
Der Gipfel endete ohne Ergebnis zu den Gebühren oder der Zukunft der Rezeptboni. Während Präsenzapotheken weiter für höhere Zuschüsse kämpfen, um ihre Leistungen aufrechtzuerhalten, betonen Versandapotheken, ihre Modelle seien sowohl konform als auch kosteneffizient. Regulatorische Änderungen zu den Praktiken beider Seiten wurden bisher nicht angekündigt.






