Immer mehr Beschäftigte täuschen nur noch Produktivität vor – warum Präsenzkultur scheitert
Anna SchmittImmer mehr Beschäftigte täuschen nur noch Produktivität vor – warum Präsenzkultur scheitert
Immer mehr Arbeitnehmer geben zu, ihre Produktivität nur vorzutäuschen, während Unternehmen auf eine Rückkehr ins Büro drängen. Eine neue Umfrage zeigt, dass viele Beschäftigte ihre Arbeitsgewohnheiten mittlerweile nur noch inszenieren, um Erwartungen zu erfüllen – statt sich auf tatsächliche Ergebnisse zu konzentrieren. Dieser Wandel vollzieht sich, da Konzerne wie Vodafone, SAP und Volkswagen nach Jahren flexibler Remote-Regelungen die Anwesenheitspflicht wieder einführen.
Der Trend zur "Scheinarbeit" nimmt zu: 56,6 % der Mitarbeiter geben an, sie kämen nur ins Büro, um gesehen zu werden. Viele räumen ein, dass sie ihre Aufgaben zu Hause schneller erledigen könnten. Weitere 27,7 % stellen ihren Status im Homeoffice manuell auf "verfügbar", um beschäftigt zu wirken – selbst wenn sie gar nicht arbeiten.
Ein Viertel der Beschäftigten (25,4 %) bleibt sogar länger im Büro, nur weil der Vorgesetzte noch nicht gegangen ist – unabhängig davon, ob noch Aufgaben anstehen. Gleichzeitig wünschen sich 47,3 % Anreize wie kürzere Arbeitswege oder Zuschüsse für den ÖPNV, um die Bürotätigkeit attraktiver zu machen.
Die von Indeed durchgeführte Umfrage ergab zudem, dass 66,2 % der Befragten eine Gehaltskürzung von 5 % in Kauf nähmen, wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen – und nicht nach Präsenzzeiten – bewertet würde. Dennoch verschärfen Unternehmen weiterhin die Anwesenheitsregeln: Vodafone führte etwa verbindliche Quoten ein.
Die Ergebnisse deuten auf eine Kluft zwischen den Wünschen der Mitarbeiter und der Unternehmenspolitik hin. Während Arbeitnehmer argumentieren, dass bloße Anwesenheit im Büro keine Produktivität garantiere, setzen Firmen weiter auf strengere Präsenzvorgaben. Die Folge ist ein Anstieg performativer Verhaltensweisen, bei denen Beschäftigte versuchen, Erwartungen zu erfüllen – ohne dass dies ihrem eigentlichen Arbeitserfolg zugutekäme.






