Merz' umstrittene Aussage zu syrischen Geflüchteten löst Koalitionsstreit aus
Jonas HoffmannMerz' umstrittene Aussage zu syrischen Geflüchteten löst Koalitionsstreit aus
Bundeskanzler Friedrich Merz gerät nach Aussage zu Rückkehr syrischer Geflüchteter in die Kritik
Bundeskanzler Friedrich Merz hat heftige Rückschläge erntet, nachdem er angedeutet hatte, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Äußerung, die während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa fiel, löste schnell scharfe Kritik von Koalitionspartnern und Oppositionspolitikern aus.
Bis Dienstag begann Merz, sich von der konkreten Zahl zu distanzieren, und schob die Aussage stattdessen al-Sharaa zu – statt sie als eigene politische Zusage darzustellen.
Der Streit hatte begonnen, als Merz und al-Sharaa in Berlin vor die Presse traten. Dort erklärte der Kanzler zunächst, dass bis zu 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Behauptung stieß umgehend auf Widerspruch bei Abgeordneten, darunter die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg, die Merz vorwarf, bei syrischstämmigen Deutschen Verunsicherung zu schüren.
Die SPD-Vizevorsitzende Anke Rehlinger warnte davor, starre Rückkehreziele vorzugeben, und argumentierte, dass solche Fristen ein komplexes Thema unzulässig vereinfachten. Ihr Parteikollege, der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner, bezeichnete die 80-Prozent-Marke als unrealistisch und verwies auf die anhaltenden Sicherheitsrisiken in Syrien. Unterdessen präzisierte al-Sharaa später, er habe die 80-Prozent-Zahl nicht selbst gesetzt, sondern betont, dass etwaige Rückkehrer freiwillig, würdevoll und gestützt durch erhebliche westliche Investitionen in den Wiederaufbau Syriens erfolgen müssten.
Angesichts der wachsenden Kritik gab das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung eine Stellungnahme heraus, die Merz' ursprüngliche Aussage subtil korrigierte. In der überarbeiteten Version wurde die 80-Prozent-Angabe als al-Sharaas Zielvorstellung dargestellt – und nicht als Position der deutschen Regierung. Rund 250.000 Menschen mit syrischen Wurzeln haben inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft erworben, was die Debatte über mögliche Rückführungen zusätzlich verkompliziert.
Der Konflikt hat die Spaltungen innerhalb von Merz' Koalition in der Migrationspolitik offenbart. Zwar hat sich der Kanzler von der 80-Prozent-Aussage distanziert, doch die Diskussion darüber, wie mit Rückführungen nach Syrien umgegangen werden soll, dauert an. Künftige Entscheidungen werden voraussichtlich von den Sicherheitsbedingungen vor Ort und der internationalen Unterstützung für den Wiederaufbau abhängen.






