Volkswagen plant radikale Kürzungen: 100.000 Jobs und vier Werke in Gefahr
Hannah SchneiderVolkswagen plant radikale Kürzungen: 100.000 Jobs und vier Werke in Gefahr
Volkswagen steht vor einem drastischen Rückgang der Nachfrage und des Marktanteils, bedingt durch die zögerliche Umstellung seiner Modellpalette auf Elektroantriebe und Digitalisierung. Das Unternehmen hat nun einen weitreichenden Sparplan vorgelegt, um ab 2030 dauerhafte Verluste abzuwenden – andernfalls drohe der Zusammenbruch des Konzerns, warnt der Vorstand.
Der Restrukturierungsplan, über den am 9. Juli abgestimmt werden soll, sieht die Schließung von vier großen Werken bis 2035 vor. Betroffen wären die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, während das Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen deutlich verkleinert werden soll. Falls die Lohnkosten nicht gesenkt werden können, sollen diese Schließungen im Rahmen umfassender Einsparmaßnahmen umgesetzt werden.
Vorgesehen ist zudem der Abbau von über 100.000 Arbeitsplätzen bis 2035 – zusätzlich zu den bereits geplanten 50.000 Entlassungen könnten bis zu 65.000 weitere Stellen gestrichen werden. Damit wäre mehr als jeder sechste der weltweit 660.000 Volkswagen-Beschäftigten betroffen. Die Unternehmensführung ist bereit, die Kürzungen notfalls in einer außerordentlichen Hauptversammlung durchzusetzen, sollte der Aufsichtsrat Widerstand leisten.
Volkswagen wird sein Modellangebot von derzeit 150 auf etwa 75 Fahrzeuge halbieren und Modelle wie den Jetta, den Q6 e-tron und den Porsche Taycan einstellen. Zudem sollen Beteiligungen veräußert, der Anteil an Traton reduziert und die Marke Volkswagen sowie die Komponentensparte in eigenständige Einheiten ausgegliedert werden. Die Holding soll künftig fünf Kernbereiche steuern.
Die Umstrukturierung ist für das Überleben des Konzerns entscheidend: Ohne Gegenmaßnahmen drohen ab 2030 nicht mehr umkehrbare Verluste. Die Krise bei Volkswagen gefährdet zudem die gesamte deutsche Automobilbranche, da wichtige Zulieferer wie Bosch, Continental und ZF stark von seinen Aufträgen abhängig sind.
