Warum „Dinner for One“ seit 50 Jahren unser Silvester prägt

Admin User
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Eine Gruppe von Menschen an Tischen mit Essen, Fernsehern, Lichtern, hängenden Papieren und Vorhängen in einer scheinbar festlichen Umgebung.

Warum „Dinner for One“ seit 50 Jahren unser Silvester prägt

Ein kurzer Comedy-Sketch über Alter, Rituale und Klassenunterschiede ist in den deutschsprachigen Ländern längst ein Silvesterklassiker geworden. "Dinner for One" begleitet Miss Sophie, eine 90-jährige Dame, die für vier längst verstorbene Freunde ein Geburtstagsdinner ausrichtet. Die Handlung verbindet Slapstick mit einer scharfsinnigen Betrachtung von Einsamkeit und gesellschaftlicher Konvention.

Ursprünglich als Bühnensketch der britischen Komiker Freddie Frinton und May Warden 1948 entstanden, tourte das Stück jahrelang durch Großbritannien, bevor es fürs Fernsehen adaptiert wurde – zunächst 1963 vom Schweizer Fernsehen, später vom NDR. Die Handlung spielt in einem vornehmen englischen Salon um 1900, wo Miss Sophie auf ihrem 90. Geburtstag besteht – mit einem opulenten Menü über mehrere Gänge.

Ihr Butler James serviert das Essen und mimt dabei nacheinander die vier abwesenden Gäste. Zu jedem Gang gehört ein bestimmtes Getränk, was die starren Klassenvorschriften der Zeit widerspiegelt. Da James jeden Schluck für die imaginären Freunde mittrinkt, wird er im Laufe des Abends immer betrunkener – und untergräbt so die förmliche Atmosphäre. Doch er spielt seine Rolle weiter, stolpert mit wachsender Absurdität durch die Rituale. Der Humor entsteht aus dem Kontrast zwischen der steifen Upper-Class-Etikette und James’ zunehmendem Kontrollverlust. Zwischen Miss Sophie und ihm herrscht eine Beziehung aus Gewohnheit, Abhängigkeit und einer stillen Komplizenschaft. Der Sketch zeigt die Einsamkeit im Alter als unausgesprochenen Normalzustand und verwandelt das inszenierte Solo-Dinner in eine Farce mit melancholischem Unterton.

Seit den frühen 1970er-Jahren läuft "Dinner for One" jedes Silvester in Deutschland und Österreich. Der Sketch füllt die Stunden bis Mitternacht und hat sich von einer britischen Komödie zu einem gemeinsamen kulturellen Ritual gewandelt.

Bis heute ist der Sketch fester Bestandteil der Silvesterfeiern und wird Jahr für Jahr von Millionen gesehen. Die Mischung aus Slapstick, Gesellschaftskritik und Wehmut berührt die Zuschauer nach wie vor. Für viele ist es längst zur Tradition geworden, Miss Sophies einsames Festmahl zu verfolgen – und das Dinner selbst ist längst ebenso zum Feiertagsritual geworden wie der Sketch.