Neuer Tarifvertrag im ÖPNV NRW: Kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich
Jonas HoffmannNeuer Tarifvertrag im ÖPNV NRW: Kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich
Beschäftigte im Öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen haben einen neuen Tarifvertrag durchgesetzt, der die Wochenarbeitszeit verkürzt und die Bezahlung erhöht. Die nach zähen Verhandlungen mit der Gewerkschaft erzielte Einigung sieht eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit vor – bei gleichbleibendem Lohn. Für die Arbeitgeber steigen damit die Kosten, was langfristig Auswirkungen auf Ticketpreise und Leistungen haben könnte.
Bisher lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Sektor bei 39 Stunden. Die Gewerkschaft ver.di hatte eine 37-Stunden-Woche gefordert, doch der Kompromiss sieht nun 38 Stunden vor. Die schrittweise Umstellung erfolgt zunächst auf 38,5 Stunden bis Juli 2027, dann auf 38 Stunden bis Juli 2028 – ohne Lohnkürzungen während der Übergangsphase.
Zu den Neuerungen gehören zudem höhere Zuschläge für Sonntagsarbeit sowie verlängerte gesetzliche Ruhezeiten. Auch kurzfristig Beschäftigte profitieren von stärkeren Schutzregelungen. Doch die Verbesserungen für die Beschäftigten bedeuten für die Verkehrsbetriebe finanziellen Druck: Bei gleicher Leistung müssen sie entweder mehr Personal einstellen oder die Produktivität steigern, um die fehlenden Arbeitsstunden auszugleichen.
Um die Mehrkosten zu decken, kommen verschiedene Optionen infrage: öffentliche Zuschüsse von Kommunen, Ländern oder dem Bund – oder aber Preiserhöhungen für Fahrkarten. Während in Solingen vorerst keine sofortigen Anpassungen erwartet werden, könnten Fahrgäste langfristig mit höheren Tarifen rechnen. Die noch ungelöste Frage der dauerhaften Finanzierung des Deutschlandtickets verstärkt zudem die Unsicherheit über die künftige Bezahlbarkeit des Öffentlichen Nahverkehrs.
Der Tarifabschluss bedeutet für die Beschäftigten einen deutlichen Fortschritt – mit besseren Arbeitsbedingungen und weniger Stunden. Gleichzeitig belastet die Kostensteigerung die Unternehmen, was zu höheren Betriebskosten führen könnte. Ohne stabile Finanzierungslösungen drohen den Fahrgästen auf Dauer höhere Preise oder Einschränkungen im Angebot.






