Gogols Der Revisor glänzt in Fokins kühner Neuinszenierung am Alexandrinski-Theater
Gogols Der Revisor glänzt in Fokins kühner Neuinszenierung am Alexandrinski-Theater
Das Alexandrinski-Theater bringt Der Revisor in einer kühnen Neuinszenierung von Waleri Fokin auf die Bühne
Diese Produktion trägt tiefes historisches Gewicht, denn das Stück feierte hier 1836 vor Zar Nikolaus I. seine Uraufführung. Die aktuelle Fassung verbindet Tradition mit modernen theatralischen Elementen – darunter eine markante Nutzung der Zarenloge und eine erweiterte Rolle für Chlestakows Alter Ego.
Bei der Premiere am 28. Februar saß Michail Piotrowski, Generaldirektor der Eremitage, in ebenjener Loge, die einst Nikolaus I. vorbehalten war. Als die Kaiserhymne erklang, wurde die Verbindung der Inszenierung zu Russlands theater- und politikgeschichtlicher Vergangenheit unübersehbar.
Fokins Interpretation von Gogols Klassiker verleiht dem Stück eine surreale Note. Tichon Schisnewski – bekannt aus Major Grom – spielt Chlestakow, der nach dem Genuss eines "magischen" Elixiers eine Verwandlung durchläuft. Seine Lügen wecken ein Alter Ego, eine schattenhafte Figur verborgenen Einflusses, die die Handlung übernimmt. Diese Dualität fügt der Satire eine psychologische Dimension hinzu und führt das Stück über seine ursprünglichen farcenhaften Wurzeln hinaus.
Auch die Zarenloge wird als symbolischer Mittelpunkt wiederbelebt. Die Kaiserhymne Gott bewahre den Zaren! wird live von einem Vokaltrio vorgetragen – direkt an den leeren Thron der Macht gerichtet. Diese Entscheidung erinnert an Fokins Werk Eins Acht Eins (2022), in dem die Loge eine zentrale Rolle spielte.
Sergei Parschins Darstellung des Stadtvorstehers setzt auf groteske Übertreibung – sowohl im Äußeren als auch in den Manieren. Seine Performance steigert die Absurdität der korrupten Beamten und macht deren Niedergang umso deutlicher. Die Inszenierung endet mit einer ungewöhnlichen, 90 Sekunden langen stummen Szene, gefolgt von einer Fortsetzung – einem Gespräch zwischen Schauspielern und Kritikern, das die Grenze zwischen Aufführung und Reflexion verwischt.
Fokin inszenierte Der Revisor bereits 2002 am Alexandrinski-Theater, doch diese Version vertieft den historischen Bezug. Die Uraufführung von 1836 ist legendär – nicht zuletzt wegen Nikolaus' I. berühmtem Ausspruch: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!". Ein Jahrhundert später präsentierte Wsewolod Meyerhold in demselben Haus seine eigene radikale Interpretation und festigte damit den Platz des Werks in der russischen Theaterinnovation.
Die Produktion von 2026 verwebt Gogols scharfe Satire, Fokins experimentellen Blick und das imperiale Erbe des Alexandrinski-Theaters. Indem die Zarenloge ins Zentrum der Handlung rückt, lädt die Inszenierung zu Vergleichen zwischen historischen und heutigen Machtstrukturen ein. Das stumme Finale und die anschließende Diskussion fordern das Publikum zusätzlich auf, über die zeitlose Relevanz des Stücks nachzudenken.
Mit Schisnewskis Chlestakow und Parschins Stadtvorsteher an der Spitze verspricht dieser Revisor sowohl ein Spektakel als auch eine Aussage zu sein. Die Inszenierung führt einen Dialog zwischen Geschichte und Moderne – und hinterlässt ihren Abdruck in der langen Tradition des Theaters.
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